Briefmarken-Handbuch
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Arbitrage
Viele werden bemerkt haben, daß ich unsere deutsche Sprache liebe und Fremdwörter eher selten gebrauche.
Nun hat ein Leser meiner Internetseiten eines ins Spiel gebracht, das mich faszinierte: Arbitrage (gesprochen arbitrasch).
Wikipedia schreibt u.a. hierzu:
"Arbitrage (von französisch arbitrage, von lat. arbitratus "Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen") bezeichnet das Ausnutzen von Preisunterschieden für gleiche Waren auf verschiedenen Märkten.
Infolge der ausgleichenden Wirkung der Arbitrage passen sich die Preise in verschiedenen Märkten einander an; dieser Vorteil existiert in der Regel nur eine bestimmte Zeit lang."
Der letzte Satz, wenn man ihn auf unser Hobby bezieht, läßt Hoffnung aufkeimen.
Der weltweite Philateliemarkt hat diese "Kultur" in eine "Unkultur" umfunktioniert und in einem in sich geschlossenen Markt perfektioniert: Dieser Markt verkauft z.B. fast nur Massenmarken, qualitativ Sammelunwürdiges und eigenes Machwerk zu extrem hohen Preisen, die er in von ihm selbst geschaffenen und "gepflegten" Briefmarkenkatalogen, völlig konträr zu ihrem tatsächlich Wert, definiert und unwirklich hoch bewertet.
Jeder so "beglückte" Sammler wird seine Sammlung jedoch entweder irgendwann selbst zu verkaufen versuchen, oder, die größere Wahrscheinlichkeit, seinen Erben diese überwiegend äußerst ärgerliche Aufgabe aufbürden.
Der Handel bekundet dann auf Grund der "Massenhaftigkeit", "fehlender Qualität" und "nicht vorhandener Nachfrage", die Wertlosigkeit der Sammlung und Desinteresse. Die wenigen, für ihn interessanten Objekte darin hat er jedoch längst erkannt - und bietet deshalb trotzdem einen lächerlichen Gesamtkaufpreis, der vom Sammler / Erben aus Verzweiflung irgendwann akzeptiert wird.
Nun werden diese Sammlungen selektiert: die guten (weniger als 1 % des den Markt überschwemmenden Materials) werden mit großem Gewinn verkauft und mit dem Rest, dem im Grunde kostenlos erstandenen, jedoch nach wie vor wertlosen "Beifang", wird die nächste Generation betrogen, pardon, erfreut: Keine Qualität, kein Wert aber hohe Preise.
Jeder so "beglückte" Sammler wird ........ - Entschuldigung, das hatten wir ja schon.
Wikipedia nennt mehrer Arten der Arbitrage, wobei ich die Handlungsweise der Briefmarkenlobby, frei interpretiert, der "ökonomischen" zuordnen würde: Sie hat ihren Ursprung überwiegend tatsächlich nicht in der Kultur, es ist auch nirgendwo eine zu erkennen, sie nutzt Administration als täuschendes Element und kennt, nicht nur, auch geographisch keine Grenzen.
Man kann wirklich heilfroh sein, aufgeklärter Briefmarkensammler zu sein.