Briefmarken-Handbuch
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Bund
Der Bund war lange Zeit "nur" eines von vier Teilgebieten Deutschlands, das Briefmarken verausgabte. Daneben gab es bis 1957 das Saarland und bis 1990, also bis zur Wiedervereinigung, Berlin und die DDR.
Mitte der 90er Jahre, nach der Wiedervereinigung, wurde die Landesbezeichnung in "Deutschland" geändert, womit gleichzeitig zumindest auch das postalische Ende der Folgen des zweiten Weltkriegs markiert wurde.
Deutschland und seine ehemaligen "Gegner" hatten sich jedoch schon in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts auf den Weg zu einem sich suchenden gemeinsamen Europa begeben. Schritt für Schritt ging man auf sich zu, was 2002 in der gemeinsamen Währung EURO gipfelte - die Deutsche Mark war (leider, weil der Wechsel eine unglaubliche Verteuerung für uns alle brachte und Gott-sei-Dank, weil es heute ein Vergnügen ist, in "unserem" Europa fast überall in gleicher Währung zahlen zu können) Vergangenheit!
Faktisch war mit der Doppelnominale das Sammelland "Bundesrepublik" beendet und wurde zum abgeschlossenen Sammelgebiet. Alle Briefmarken in DM verloren ihre Gültigkeit und auf Grund ihrer Massenhaftigkeit auch ihren Wert - als Porto sowie auch sammlerisch. Die Post räumte damals ein begrenztes Umtauschrecht in weiterhin gültige Euro-Marken ein, so daß man zumindest den Portowert retten konnte.
Ich persönlich beendete damals meine Sammlung "Bund". Einmal wegen der schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, der Massenhaftigkeit an Neuausgaben mit immer mehr Zuschlagsmarken, besonders aber der buchstäblich ausufernden Diversifikation.
Das war mal ganz anders. Ich erinnere mich an die Entwicklung ab etwa Mitte der 50er Jahre, als die fast explodierende Wertentwicklung der Anfangsjahre von Bund, Berlin und der DDR die sammlerischen Nachfrage nach Neuausgaben ebenfalls explodieren ließ, ein wahrer Sammel- und Sammlerboom. Man kann das gut nachvollziehen, wenn man heute mal zu einem Vereinstreffen geht, wo meist knappe 100 % der Mitglieder alter als 70 Jahre, also 50 bis 60 Jahre älter als damals, ihrem Hobby frönen.
Man hatte, ich auch, (natürlich nur im Verborgenen) die Vorstellung, daß die Wertentwicklung so weiter gehen würde, Reichtum nur noch eine Frage der Zeit wäre. Briefmarken wurden buchstäblich gehortet. Bequem per Abo, oft massenhaft, gekauft und, logisch, das machten alle so, nur postfrisch.
Die Auflagen stiegen, 10-, 20-, 50- und 100 Millionen waren Normalität und sind es immer noch. Der Markt verschlang alles, selbst jeden manipulierten Schrott. Die Briefmarkenlobby fand sich, dazu gehörte schon bald auch der Verband, und setzte zum großen "über-den-Tisch-ziehen" an, das dann nahtlos ins Selbstverständliche, ins Alltägliche abdriftete, in dem diese Lobby feststellt, Briefmarkensammeln sei nichts, mit dem man beim Verkauf einen Ertrag erzielen könne.
Das traf auf fruchtbaren Boden, denn die Sammler andererseits hatten ihr logisches Denken ausgeschaltet. Für was auch, es lief doch alles nach Plan, die Katalogpreise, von denen man damals noch annahm (heute immer noch?!), daß sie den Sammlerwert repräsentierten, gaukelten eine positive Entwicklung vor, die gesamte "Arbeit" der Lobby schaltete auf Tarnen und Täuschen.
Zu alledem kam erschwerend noch ein haarsträubender Verfall des Qualitätsanspruchs hinzu. Wichtig waren Zacken und ein buntes Bildchen, sonst nichts. Alles wurde in die Alben gesteckt, auch hundert- und tausendfach. Ich habe in so mancher Sammlung sogar die damals noch üblichen Rabattmarken des Lebensmittelhandels gefunden.
Diese Seifenblase mußte schon aus logischen Gründen platzen: Jeder sammelte das Gleiche - und jeder mehrfach bis bogenweise. Und sie ist geplatzt, diese bunt und verführerisch schillernde, sich immer weiter aufblähende Seifenblase. Übrig blieb ein teuer erkauftes wertloses Etwas, dessen Verkauf nicht einmal mehr die Kosten hierfür deckt, oft gar nicht möglich ist.
Paradox, aber genau das ist der richtige Zeitpunkt festzustellen, daß "Bund" ein tolles, ein mehr als Erfolg versprechendes Sammelgebiet ist.
Will man diesen Erfolg auch für sich erreichen, muß man jedoch eine ganze Reihe von Dingen wissen und vieles Selbstverständliche, das den Geschäftemachern die Basis, beachten.
Dazu zählt grundsätzlich zu wissen und zu beachten, daß Katalogpreise nicht den Wert der Briefmarken darstellen. Das sind Preise, zu denen der Handel (zum Nachteile der Sammler) verkaufen möchte - die liegen endlos weit über deren Wert. Kaufen Sie z.B. über eBay ein, dann werden Sie häufig nur 5 % oder 10 % dieser Preise bezahlen. Aber Sie werden auch merken, daß es Marken gibt, deren Wert weit über den Katalogpreisen liegt. Das ist dann Erfahrung, die in immer größer und umfangreicher werdendem Wissen mündet - und Wissen ist die Macht der Sammler.
Vordruckalben sind unsinnig teuer und zum echten Briefmarkensammeln nicht geeignet. Dort passen nur Einzelmarken, also Massenware rein. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie und was ich zu sammeln habe! Steckalben sind ideal!
Die Erfahrung zeigt, daß Briefmarken im ABO zu sammeln, immer erfolglos ist. Haben Sie mal in die Dublettenalben Ihrer Sammlerfreunde geschaut? Richtig, die sind voll von Briefmarken - den gleichen, wie in Ihrem Dublettenalbum - und bei weiteren Hunderttausenden von Sammlern. Das wird nix, wer soll die je kaufen wollen?
Einzelmarken ohne Rand ab ca. 1955 sind wertlos, erzielen höchstens Alibipreise und sollten lediglich (nicht bei der Post) billigst einzukaufendes Füllmaterial sein.
Gestempelte Briefmarken, deren Stempel nicht prüfbar sind, also Datum und Ort nicht lesbar ist, sind wertloses Altpapier, Abfall!
Oder verschmierte oder beschädigte Briefmarken? Wertlos, nie mehr verkäuflich.
Marken mit kurzen oder fehlenden Zähnen, beschädigte Gummierung, auch und besonders durch Falze, oder sonstig beschädigtes Papier: Schrott.
Und besonders alles das, was von der Briefmarkenlobby speziell für Sammler hergestellt wurde und wird, ist nicht sammelwürdig. Das sind insbesondere die Schmuck-FDC, die ETB´s und alles Artverwandte. Finger weg. Und jetzt kommt´s!
Tipp: Verschicken Sie an Ausgabetagen doch selbst fantasievolle Postbelege von Ihrem Postamt an Freunde im In- und Ausland, finden Sie die seltene Versendungsart. Das sind dann tolle und sammelwürdige Ersttagsbriefe.
Das Sammelgebiet "Bund" ist eine wahre Schatztruhe, in der man sich nur noch bedienen muß.
Von den Dauerserien wissen wir, daß Bogenmarken, besonders Ecken, einen besonderen Wert darstellen. Das können waagerechte Paare oder größere Einheiten sein, aber auch Marken mit Bogenrand.
Aber das gilt nicht nur für Dauerserien, bei denen der Katalog eine Unterscheidung von Bogen- und Rollenmarken trifft, sondern generell für alle Briefmarken: Jedes "Anhängsel" an einer Einzelmarke macht sie seltener und damit sammelnswerter.
Und wenn man sich mal die Bogenränder anschaut, besonders die der Ausgaben vor den "Zehnerbogen", dann kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Da findet man jede Menge postalisches, also offizielles, nicht für uns Sammlern produziertes. Das sind Dinge, die der Herstellung, deren Überwachung und dem postalischen Ablauf dienen.
Druckerzeichen, HAN, Formnummern (bis zur Unfallserie), Randzahlen, Wertzähler, Markierungsstriche und vieles mehr ist da zu nennen: gesucht und wertvoll - oder umgekehrt.
Papier-, Zähnungs-, Gummierungs-, Wasserzeichen- oder Fluoreszenzunterschiede (z.B. Heuss, Bedeutende Deutsche, Industrie und Technik und Burgen und Schlösser) sind die nächste Verführung, ebenso wie Druck- oder Plattenfehler.
Markenheftchenbogen (MHB), Markenheftchen mit ihren unterschiedlichen Werbeeindrucken, Zählbalken, Heftchenblätter mit Zählnummern, Zusammendrucke, Rollenmarken mit unterschiedlichen, auch farbigen Nummern, Rollenenden mit unterschiedlich farbigen Leerfeldern, Rollenanfänge, spitze und breite Ausgleichszähne - alles vielleicht ergänzt durch Verpackungsmaterial, steigern die Möglichkeiten ins fast Unermeßliche.
Und das Beste kommt jetzt erst noch und bezieht sich auf die eben noch als quasi wertlos deklarierten Einzelmarken - und macht sie besonders wertvoll und sammelnswert:
Gestempelt!
Nein, nicht entwertet auf irgend eine Art, besonders nicht mit den massenhaften Ersttagssonderstempeln oder denen der Versandstellen, die man meiden sollte, auch keine Stempelfragmente, die nicht les- oder deutbar sind, sondern zeitgerechte, klare und möglichst zentrische Stempel irgendwelcher "normalen" Postämter sind die Objekte der Begierde.
Und bei Bundausgaben ganz besonders gesucht, weil besonders selten, sind Berliner Stempel "normaler" Postämter. Auch Berlin-Charlottenburg, das war damals noch keine Versandstelle, sind mehr als sammelnswert. Weniger dagegen, weil doch sehr häufig abgeschlagen, die "Berlin-12-Stempel".
Und auch die Bund-Briefe haben besondere Reize. Nein, nicht die Standardsendungen und kaum Einzel- oder Mischfrankaturen. Mehrfachfrankaturen oder seltene Versendungsarten sind das Gesuchte, wovon auch noch vieles im Verborgenen blüht.
Die "alte" Bundsammlung gehört deswegen aber noch lange nicht in den Müll, sie gehört einfach "gereinigt" und dann aufgepeppt.
Ich sammle Berlin und hatte die gleichen Probleme: ungeheuer viel Schrott. Den habe ich entfernt und dann begonnen, um das Sammelnswerte zu ergänzen. Heute, nach wenigen Jahren kann sich meine Sammlung wieder sehen lassen, sie wäre für den Verkauf geeignet. Das kommt jedoch nicht in Frage, denn ich bin Sammler - und genieße mein Hobby.