Briefmarken-Handbuch
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Korrigierte Bogenwertzähler (KBWZ)
Durch massenhafte Abonnements bedingt, boten und erfüllten die Versandstellen für Sammlermarken auch mannigfaltige Sonderwünsche der Sammler, die, wenn sie sehr häufig auftraten, von der Post automatisiert und optimiert wurden (und natürlich auch weiterhin werden).
Ein sehr oft geäußerter Wunsch der Abonnenten waren und sind voll und zentrisch ersttagsgestempelte Neuausgaben. Diese Stempel wurden anfänglich per Hand abgeschlagen. Während dies in Berlin bis zum Ende des Sammelgebiets Berlin so beibehalten wurde, es gibt also keine KBWZ mit Berliner Abstempelung, stellten die Versandstellen Frankfurt am Main und, später, Weiden wegen der steigenden Nachfrage (und logischerweise dadurch stark steigenden Auflagen) sowie des hohen Zeit- und Kostenaufwands auf verbesserte technische Möglichkeiten, auf die Klischee- bzw. Massenabstempelung um. Dieses bei Sammlern früher schon, heute aber extrem ungeliebte Entwertungsverfahren wurde in der DDR schon lange angewandt.
Automatischer zentrischer Ersttagsstempel bedeutet nun aber, daß der abgeschlagene Stempel, zumeist größer als die zu entwertenden Marken, auch die danebenliegenden, selten oben, mal unten und mal seitlich traf. Solche fragmentartig gestempelten, nicht mehr verwendungsfähigen, wertlosen Marken wurden mit einem sogenannten Andreaskreuz, einem schwarzen X, entwertet und so als Abfall deklariert. Das hält den Handel jedoch nicht davon ab, diesen Schrott als "etwas Besonderes" und zudem teuer anzubieten. Mir drängt sich hier, wie auch bei sonstiger regelmäßig angebotener Makulatur, die Frage auf, wie solche Dinge überhaupt in den philatelistischen Kreislauf gelangen können. Geschah oder geschieht das mit Wissen der Post, wird sie daran kräftig verdient haben bzw. verdienen - und ohne ihr Wissen wäre es Diebstahl, also kriminell und der Handel damit Hehlerei. Die Post agiert hier jedoch nicht, was die Frage aufwirft, wie es um die Sicherheit (auch der Sammler) bestellt ist.
Zurück zu den KBWZ. Logisch, daß nach dieser Klischeestempelung die Reihenwertzähler nicht mehr stimmten, waren doch danach nur noch etwa 50 oder 40 % der Marken verkäuflich (für die allerdings auch ein Aufpreis zu zahlen war). Also mußten die aus Abrechnungsgründen berichtigt werden, was logischerweise meist auf dem rechten oberen Eckrand geschah. So wurde z.B. bei der 350er SWK dieser Reihenwertzähler von DM 350,-- (100 Marken á DM 3,50) auf DM 140,-- (40 zentrisch gestempelte Marken á € 3,50) korrigiert.
Später wurden diese Klischeestempel so verändert, daß sie weniger "Abfall" produzierten, indem sie z.B. seitlich / unten verkürzt, also buchstäblich abgeschnitten der Markengröße angepaßt, aufgebracht wurden.
Mit der geänderten Konfektionierung auf 10er-Bogen endete die Zeit der KBWZ.
Wenn man diese Ausgabeart nun auf ihre Sammelwürdigkeit hin beurteilen will, dann muß man als erstes die Freiheit des Sammlers, tun und lassen zu können, was er will, beachten. Jeder sammle nach seine Facon.
Darüber hinaus muß jedoch eine Eingliederung in die Spielregeln erfolgen.
Bei den Andreaskreuzen ist klar, daß die in der Philatelie keinen Platz haben. Das ist unrechtmäßig in den Philateliekreislauf gelangte Makulatur, der Handel und der Besitz damit rechtlich fraglich.
Der Umstand, daß die KBWZ ausschließlich auf Bestellung von und für Sammler hergestellt wurden, verhindert, daß sie zur Gruppe "sammelwürdig" gezählt werden können.
Andererseits ist festzustellen, daß die korrigierten Bogenwertzähler ausschließlich administrative Ursachen hatten, also lediglich aus Abrechnungsgründen der veränderte Wert des entsprechenden Bogens korrigiert / aufgedruckt wurde. Die Post beachtete die KBWZ in sammlerischem Zusammenhang überhaupt nicht. Die Menge der so veränderten Bögen und somit die Anzahl von KBWZ war also nicht manipuliert und auch nicht hoch, sondern, im Gegenteil, einfach nur überschaubar.
Dieser letzte Zusammenhang verhindert nun wiederum, daß die KBWZ in den Bereich "nicht sammelwürdig" abdriften - mit der Folge, daß sie in die dazwischen liegende Klasse "sammelfähig" (siehe dort) einzustufen sind.
KBWZ wurden und werden von Spezialisten gesammelt und erleben seit etwa 2011 eine regelrechte Renaissance. So wurden in 2012 z.B. bei ebay eine 20 Pfennig der Berliner B&S mit starken € 77,-- beboten, was dem rund 750-fachen Postpreis entspricht.
Die ausschließlich gestempelten KBWZ werden übrigens als Eckrandstücke mit makelloser Gummierung gesammelt. Dieser Umstand weißt schon darauf hin, daß eine postalische Verwendung und damit frankierte Briefe nicht möglich waren.
Fazit: Man kann sich auf so einen Sammelbereich einlassen, sollte aber wissen, daß er die Regeln der Sammelwürdigkeit und damit die des Q1-sammelns nicht erfüllt - und daß mit jedem für Sammler produzierten Produkt auch (legale, gegen die Sammler gerichtete) Manipulationen einhergehen (können).