Briefmarken-Handbuch
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Neuausgaben
Briefmarken-Neuausgaben der Postverwaltungen sind der Stoff, aus dem unsere, also der Sammler, Träume gestrickt, ja, das ist jetzt die Frage, sind oder werden?
Seit 1840, zwischenzeitlich also über 170 Jahre, werden Briefmarken verausgabt, deren Sinn grundsätzlich der ist, Gutschein oder Quittung zu sein für die Inanspruchnahme einer postalischen Leistung, mehr nicht. Die Briefmarken-Ausgabepolitik der Post erfüllte damals einzig den Sinn, für die verschiedensten möglichen Leistungen die in ihren Nominalen passenden Briefmarken bereit zu halten.
Der Briefmarkensammler kam in den Überlegungen der Post noch nicht vor, obwohl es ihn von Anfang an gab. Es wurden in erster Linie "Abfälle", also "entwertete" Marken, auch auf Brief, gesammelt. Noch gültige, also postfrische Briefmarken erfreuten sich nach und nach, und irgendwann dominierend, besonderer Nachfrage.
Waren in den ersten fast 70 Jahren z.B. in Deutschland eher praktische Erwägungen ausschlaggebend, erkannte man dann die, ich denke, in erster Linie, Werbewirksamkeit von Briefmarken und deren Möglichkeiten, die Käufer, verstärkt die Sammler, auch "zur Kasse" zu bitten.
Mit dem Ende der Hyperinflation kam es ab 1924 zu einer Flut von Zuschlagsmarken, die sich bis zum heutigen Tag zu einem wahren Tsunami, der uns Sammler einfach überrollt, entwickelt hat.
Wurden im Deutschen Reich von 1872 bis 1932 (60 Jahre) gerade mal 478 Briefmarken, also rund 8 Briefmarken pro Jahr, verausgabt, waren es auf, sagen wir mal gleicher Fläche, von 1948 / 49 bis 1990, also in nur 41 Jahren, bei BUND, Berlin und DDR annähernd 6.000 Briefmarken! Das waren ca. 146 Briefmarken pro Jahr, das mehr als 18-fache.
Man kann also sagen, daß nach der wirtschaftlichen Hyperinflation 1922 eine solche der Ausgabe neuer Briefmarken begann - und bis heute sogar eher noch dadurch zunahm, daß die Post die "Spleenigkeit" von uns Sammlern schamlos ausnützt. Warum das so kam, weiter so ist und auch bleiben wird, ist leicht zu ergründen: Jede von uns Sammlern gekaufte und nicht "verbrauchte" Briefmarke bringt den Postverwaltungen weltweit Hunderte von Prozenten Gewinn - uns Sammlern jedoch überwiegend 100 % Verlust.
Es hat sich mit den Jahren auch eine Änderung des Sammelverhaltens ergeben: Man sammelte weit überwiegend "postfrisch", gestempelt wurde eher unbewußt ins Album gesteckt, als gesammelt, was speziell in letzterer Gruppe zu einem verheerenden Qualitätsverfall führte.
Für die überwiegenden Totalverluste gab es in den verschiedenen Zeitperioden ganz unterschiedliche Ursachen, die man nichtdestotrotz jedoch alle auf mangelnde Qualität in ihren unterschiedlichsten Ausfärbungen zurückführen kann.
Aufmerksame Leser dieses Handbuchs wissen, daß prinzipiell wir Sammler selbst Schuld an dem heutigen Dilemma sind. Der sogenannten Briefmarkenlobby kann man lediglich den Vorwurf machen, unsere "Blauäugigkeit" schamlos ausgenutzt, ja bewußt sogar immer stärker mißbraucht zu haben. Das ist jedoch Thema anderer Beiträge.
Eines der größten Mißverständnisse der Philatelie ist die Annahme, daß Briefmarkensammeln der regelmäßige Kauf von Neuausgaben, ob am Schalter oder, schlimmer, per Abo, sei. Wer, so hätten wir uns alle, inkl. unserer Altvorderen, fragen müssen, soll je Interesse am Kauf von etwas haben, das alle, aber auch wirklich alle schon besitzen, alle Sammler in gleicher Art und großer Zahl in ihren Alben haben? Wahrscheinlich hätten wir das Warum sehr schnell begriffen, wenn wir in irgendeinem Katalog den echten Wert unserer Sammlungen hätten nachlesen können. Genau das aber wurde durch Katalogpreise, deren Bedeutung über Jahrzehnte ganz bewußt im Unklaren belassen wurde, verschleiert - und wird es noch immer: Katalogpreise stellen, wir wissen das heute, nicht den Wert unserer Briefmarken dar, sie sind Handelsverkaufspreise, die ausschließlich der Täuschung von uns Sammlern dienen.
Die Währungsumstellung am 01. Januar 2002 auf den Euro brachte es schließlich mit aller Deutlichkeit an den Tag: Alle noch gültigen Bund-Briefmarken (seit 1969 plus zweier Freimarkenserien), konnten zwar noch umgetauscht werden, verloren dann aber, wenn dies nicht geschah, ihre Frankaturgültigkeit - und sammlerisch komplett ihren Wert. Ein Verkauf war und ist aus den eben schon genannten Gründen einfach nicht mehr möglich.
Das gilt schon seit urdenklichen Zeiten, fiel aber nicht so drastisch auf, weil die Sammler selbst, zumindest noch bis Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, den totalen Preisverfall postfrischer Marken selbst in die Wege leiteten und, ein Paradoxon, gleichzeitig den Wert eines Teils von Marken steigerten: Sie klebten ihre postfrischen "Schätze" überwiegend mittels Falz in ihre Alben und machten sie damit schlicht wertlos. Aus "postfrischen" Marken wurde "ungebrauchte", nicht sammelwürdige.
Die Kataloge machten als "Preisliste des Handels" aus der Not eine Tugend und maßen diesen wertlosen Marken immer noch einen gewissen Wert bei - mit dem Effekt, daß der Handel diesen wertlosen Schrott, mit "enormen Preisnachlässen" umschrieben, an die Sammler verhökert. Der Handel selbst zahlt für diese beschädigten Marken nichts, nimmt sie jedoch gerne als "kostenlosen Beifang" zurück - um sie dann, toll beschrieben, erneut an uninformierte Sammler zu verhökern.
Das ist die häßliche Seite dieses Vorgangs, bei dem unglaublich viele Sammler ihre Briefmarken mit Falzen zerstörten - ein Makel, der um so deutlicher wurde, je mehr Sammler nur noch "postfrisch", also mit "unberührter" Gummierung sammelten.
Das Paradoxon dieser Beschädigung von postfrischen Briefmarken durch Falz ist ein äußerst positiver Effekt: Die Menge sammelwürdiger postfrischer Marken wurde so drastisch reduziert und damit deren Sammelwürdigkeit kräftig gesteigert. Die ansonsten z.B. wohl überwiegend Massenmarken des 3. Reichs waren und sind so in einwandfreier Erhaltung nicht mehr so einfach zu finden, wurden also zu gesuchten Qualitäten.
Man sammelte ab diesen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in Steckalben und, die nächste Wertvernichtung überrollte uns Sammler lautlos, in Vordruckalben, die Briefmarken nur ohne Ränder aufnahmen: Briefmarkeneinheiten wurden in Einzelwerte zertrennt, alle Ränder sorgsam entfernt, die Marken wurden so zu an sich wertlosen Massenmarken.
Die Philatelie erfuhr Ende der 50er- Anfang der 60er Jahre, nachdem die Medien allenthalben über die Preisexplosionen der ersten Ausgaben von Bund und Berlin berichteten, riesige Zuwächse an Sammlern, die alle auch "schnell reich" werden wollten - die dann die Neuausgaben in immer größeren Stückzahlen in ihre Alben scheffelten.
Die Tage der Erkenntnis kamen mit der Wiedervereinigung, dem Ende der DDR und auch dem des Ausgabelandes Berlin und, 12 Jahre später endgültig mit der Währungsumstellung. Die in prall gefüllten Alben angesammelten Portomarken verloren ihren Frankaturwert - und damit das einzige, was sie überhaupt je als Wert aufweisen konnten. Punkt, aus und Amen - wenn alle das Gleiche schon haben, will keiner das, was andere anbieten.
Viele Sammler beendeten in den Folgejahren dieses unsinnige Zusammentragen von Neuerscheinungen, andere hängten aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen ihr Hobby sogar ganz an den berühmten Nagel, und noch mehr machen genau so weiter wie bisher. Auch für sie führt, das ist Tatsache, kein Weg an den bitteren Erfahrungen, die andere schon gemacht haben, vorbei.
Schade eigentlich, denn diese Fehler wären so leicht vermeidbar.
Wer nun den Eindruck bekommen hat, "Neuausgaben" seien unnötig, täuscht sich allerdings: Sie sind das Salz in der Suppe - der Zukunft. In welchen Varianten, welcher Art? Keine Ahnung. Vielleicht hilft aber ein Blick in die Vergangenheit, um zu erkennen, was auch künftig Schrott oder interessant sein wird.
Zwei Dinge kann man aber sicher vorhersagen: Einzelmarken und alles, was von der Briefmarkenlobby für uns Sammler künstlich produziert wird, ist und bleibt, obwohl teuer eingekauft, wertlos, bleibt Schrott, wird nie zu den Gewinnern zählen - interessant wird, wie immer, das sein, an das wir alle am wenigsten denken, das Seltene, das Äußergewöhnliche - und doch oft Einfache.
Man kann auch nicht prinzipiell davon abraten, Neuerscheinungen zu sammeln. Allerdings sollte man sich dann viele Gedanken darüber machen, wie man das anstellt. Es gibt ja immer einige, die dafür das Näschen haben
Man sagt, Erfahrung mache klug!? Die schlechten muß man aber nicht alle selbst machen - schauen Sie doch einfach auch mal bei anderen rein.