Briefmarken-Handbuch
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Qualitätskriterien
Gäbe es nicht die Realität, könnte man das Thema mit einem Satz abtun: Fehlerfrei, ohne Fehl und Tadel auf der einen Seite, auf der anderen, nicht sammelwürdiger Ramsch – nichts dazwischen!
Sie ahnen, daß es so einfach nicht ist. Nicht etwa, weil das nicht zutreffen würde, sondern weil das die Verkaufsmöglichkeiten der Briefmarkenlobby extrem einschränken würde.
Also greift man auch und besonders hier wieder zu Unterteilungen, die man z.B. im Michel „Vorspann“ nachlesen kann, die komplett gegen die Briefmarkensammler gerichtet sind.
Immer mehr Sammler erfahren es am „eigenen Geldbeutel“ oder haben zumindest darüber gelesen oder davon gehört: Der Briefmarkenhandel und die Auktionatoren kaufen nur gegen ein regelrechtes Spottgeld an, das keineswegs als Kauferlös bezeichnet werden kann – auf keinen Fall gegenüber dem Preis, den Sammler ehemals dafür bezahlt haben.
Schauen wir uns doch mal die im Vorspann des Michel-Deutschland-Spezial aufgeführten „Briefmarken-Qualitätsstufen“ an:
1. Geschnittene Marken Fünf Qualitätsvarianten gibt der Michel zur Auswahl, von „breit bis überrandig, teilweise auf Kosten der Nachbarmarke“ über „allseits vollrandig“, „ein bis zweimal leicht berührt“, „mehrseits angeschnitten“ bis „stark angeschnitten oder verschnitten“.
Kommentar: Wenn man weiß, daß das Kaufkriterium des Handels und der Auktionatoren nur „allseits vollrandig“ ist, also nur solche Marken angekauft werden, wird die Unsinnigkeit zumindest der letzten zwei Varianten deutlich. Sie dienen lediglich dazu, dem Sammler vorzugaukeln, sie gehörten noch in den Qualitätsbereich – was aber absolut nicht der Fall ist, sie sind wertlos.
Ab Beispiel drei muß sich der Sammler darüber im Klaren sein, daß er für solche Marken bei einem Wiederverkauf keine Erlöse erzielen kann. Somit sind die beim Einkauf genutzten Sonderpreise Makulatur, 100%iger Verlust.
„Überrandigkeit zu Lasten der Nachbarmarken“ dagegen sehe ich nicht als die Spitze der Qualität, sie ist lediglich eine Spielart sammlerischer Phantasien, wäre doch eine gezähnte und dann ausgeschnittene (allseits mit Teilen der 8 Nachbarmarken) Briefmarke dort die höchste Qualitätsstufe.
2. Durchstochene Marken Auch hier gibt der Michel fünf „Qualitätsstufen“ vor, von denen auch wieder nur die ersten zwei als sammelwürdig einzustufen sind.
3. Gezähnte Marken Wieder fünf „Qualitätsstufen“. Die ersten beiden Abbildungen zeigen einmal „perfekt gezähnt, keinerlei Zahnfehler, deutliche Zahnspitzen (überlange Zähnung) und dann „einwandfrei gezähnt (ohne Zahnverkürzungen). Weiter geht es mit „teils leicht verkürzte Zähne oder fehlende Zahnspitzen“, dann „teilweise stärker verkürzte Zähne“ und letztendlich „beschädigte Zähnung und fehlende Zähne“.
Kommentar: Die erste „Qualitätsstufe“ wurde wohl „geschaffen“, weil man für die Optik der Abbildungen fünf Beispiele brauchte, Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Zähnungs-Qualitätsstufe sind nur sehr schwer auszumachen. Ich stelle mir die Frage, ob eine Marke mit leicht verkürztem Zahn der „überlangen Zähnung“ dann sofort in die 3. Qualitätsstufe, „leicht verkürzter Zahn“ abrutscht?
Die ersten zwei Beispiele sind sammelwürdig, der Rest für den Papierkorb. Kein Händler würde dafür etwas bezahlen
4. Zentrierung der Marken Der Michel führt sechs Qualitätsvarianten zentrierter bzw. dezentrierter Marken auf, die auf eine Zeit eingeschränkter technischer Möglichkeiten zurückgehen.
Kommentar: Ich kann nicht erkennen, wo hier ein Mangel sein sollte. Die Marken wurden so von der Post hergestellt und ausgeliefert. Auch heute gibt es Verzähnungen, die, so sie nicht entwendeter Makulatur entstammen, absolut sammelwürdig sind – vor allem keinen sammlerischen Mangel darstellen.
5. Abstempelung der Marken Wieder sind sechs Beispiele aufgeführt, wobei das erste einen zentrischen Stempel, das zweite einen annähernd zentrischen und das dritte einen deutlich erkenn- und lesbaren Stempel aufweist. Die weiteren zeigen nicht Sammelwürdiges.
Kommentar: Klare Grenze zwischen sammelwürdig und nicht sammelwürdig, wobei die möglichen Abstufungen auch den Preis bestimmen.
Hier wird gut der Zwiespalt zwischen Briefmarken-Lobby und Briefmarkensammlern sichtbar. Man möchte, täuschenderweise, den Eindruck erwecken, alles sei sammelfähig und hätte somit auch einen Preis. Das ist schlicht falsch und wird dadurch bewiesen, daß nicht sammelwürdiges vom Handel auch nicht zurückgekauft wird. Qualitätsgrenzen in der Philatelie sind nicht fließend, sondern eindeutig und werden bestimmt von dem der bezahlt, also vom Sammler.
Und, der Wert einer Briefmarke bemißt sich nicht daran, was man dafür bezahlt, sondern daran, was man beim Wiederverkauf dafür bekommt.