Briefmarken-Handbuch
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Wellenstempel
Poststempel, wir erinnern uns, dienen der Entwertung der zum Zwecke der Inanspruchnahme postalischer Leistungen erstandener und auf eine Sendung aufgeklebter Briefmarken / Wertzeichen. In Zeiten der manuellen Abstempelung an den Schaltern ein Vorgang, über den man, abgesehen von seiner sammlerischen Qualität, in Bezug auf den eigentlichen Vorgang kein Wort hätte verlieren brauchen.
Das änderte sich jedoch mit der immer stärkeren Inanspruchnahme, notwendigen Rationalisierungsgedanken und neuen technischen Möglichkeiten.
Post wurde z.B. fertig frankiert und massenhaft in öffentliche Briefkästen eingeworfen, deren Frankatur dann natürlich noch entwertet, also abgestempelt werden mußte. Das geschah lange bis ins dritte Viertel des letzten Jahrhunderts hinein, weiterhin manuell und mit speziellen "hammerartigen" Stempeln, deren Handhabung bei den "Postlern" eine wahre Kunstfertigkeit entstehen ließ - das Tempo der Abstempelung war atemberaubend.
Das Postaufkommen steigerte sich jedoch weiterhin, ebenso die Personalkosten. Die Lösung waren Maschinen, die eine automatisierte Abstempelung möglich machten.
Eine an einem "vorgeschriebenen" Platz angebrachte Briefmarke automatisch abzustempeln wäre nun kein Problem gewesen, doch es gab keine Sicherheit, daß Postkunden das auch einhielten. Versuche scheiterten. Hinzu kam, daß immer öfter mehrere, manchmal sogar sehr viele Briefmarken auf den zu befördernden Gegenstand geklebt wurden, um das richtige Porto zu erreichen. Wurden nun Briefmarken nicht entwertet, konnten und werden sie, auch wenn die Post das gerne verbieten möchte, logischerweise wiederverwendet, was ja absolut nicht im Interesse der Post liegen konnte.
Eine der ersten Antworten war der Wellenstempel: Ein normaler Stempel, dem seitlich Linien in Wellenform beigefügt wurden, wodurch nicht nur die rechte obere Ecke eines Briefs abgestempelt wurde, sondern auch noch weitere, daneben aufgeklebte Briefmarken. Es gab auch solche Stempel, die dieses Bild "endlos", also über den gesamten Umschlag wiederholten, also Stempel, Wellen, Stempel, Wellen u.s.w.
Eine postalische und die einzig sammlerisch interessante Aussage wurde mit dem eigentlichen Stempel, also dem Ort der Abstempelung, irgendwann auch der Postleitzahl, dem Postamt, dem Datum und der Zeit der Abstempelung getroffen. Somit war der "Wellenteil" eines solchen Stempels nur auf einer Ganzsache, nicht jedoch auf einer Einzelmarke, weil ohne jegliche Aussage, sammlerisch akzeptabel.
Zu dem Zeitpunkt war es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Nutzung dieses "Wellenbereichs" als Werbefeld. Das reichte von der Eigenwerbung der Post über Werbung für Messen und sonstige Veranstaltungen bis zur Firmen- und privaten Werbung.
Wenn in dieser Zeit dann Wellenstempel verwendet wurden, konnte man davon ausgehen, daß Werbeaufträge fehlten.
Heute leben wir in einer technisch hochgerüsteten und computergesteuerten Zeit. Briefmarken sind heute nach einer langen, sammlerisch hochinteressanten Entwicklungszeit so "ausgestattet", daß die Maschine erkennt, wo Marken aufgeklebt sind. In "Großzentren" werden täglich Millionen von Sendung entwertet und, leider, buchstäblich verwüstet. Die Maschine "schrammt" den Stempel so über die Postwertzeichen, daß diese überwiegend beschädigt und nicht mehr sammelwürdig sind. Neue Versuche mit fast futuristisch anmutenden Stempeln, so gut wie nicht lesbar, zeugen vom (endlich nachlassenden) Interesse der Post am Sammler.
Bleibt, und das macht das Sammeln wieder interessant, andere Lösungen zu suchen und zu finden. Der bei einem Postamt aufgegebene und dort sorgfältig abgestempelte und vielleicht eher zufällig nicht noch einmal beim Briefzentrum überstempelte und damit verwüstete, jedoch toll frankierte und moderne Brief ist plötzlich vielleicht sogar eine Rarität, zentrisch, bei "meinem" Postamt abgestempelte Briefmarken, "das" Sammelobjekt schlechthin.