Briefmarken-Handbuch
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Lexikon

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Gummierung
Die Gummierung von Briefmarken stellte für die Postverwaltungen schon immer ein Problem dar. Ungeheuer vielfältig sind die Anforderungen, die daran gestellt werden. Natürlich steht an erster Stelle der Anspruch, die Briefmarke auf einen Brief kleben zu können, wo sie dann auch kleben bleiben muß. Ob es also heiß oder kalt ist, eine hohe oder niedrige Luftfeuchtigkeit herrscht, die Gummierung darf sich nicht "selbständig" machen. Da die Gummierung zum Zwecke des Anklebens oft mit der Zunge befeuchtet wird, darf der Leim auch nicht gesundheitsschädlich sein, ja, sollte, dieser Meinung war die Post zeitweise, sogar schmecken. Also mischte man dem Leim "erfrischende" Aromen bei.
Weiterhin durfte der Leim die Struktur der Briefmarke nicht verändern, also z.B. "bügig" machen. Vielfältige Versuche führten besonders für den Sammler zu interessanten, sammelfähigen und -würdigen Varianten: glänzende, hochglänzende, matte, nicht sichtbare, glatte, wolkige und geriffelte Gummierungen und einiges mehr waren die Folge.
Zu diesen Bereichen zählt auch eine hie und da auftauchende, herstellungsbedingte Besonderheit. Briefmarken werden, mehrere Bögen nebeneinander, in Bahnen gedruckt und ebenso anschließend gummiert. Der Gummierungsvorgang spart, wohl aus "Sauberkeitsgründen", am Rande dieser Bahnen einen wenige Millimeter breiten Streifen aus, der also nicht gummiert wird. Im Anschluß daran werden die Bahnen perforiert und anschließend zu den üblichen Schalterbögen zugeschnitten.
Nicht bekannt ist, ob dieser schmale ungummierte Rand im Rahmen des Zuschneidens zu Schalterbögen abgeschnitten werden sollte und nur versehentlich hie und da erhalten blieb oder aber generell unbeachtet an die Schalter kam.
Fest steht jedenfalls, daß solche Stücke nicht nur Q1-Qualität haben, sondern darüber hinaus etwas Besonderes darstellen, dessen Wert allerdings kaum verifizierbar ist.
Der ansonsten tadellose Erhalt der Gummierung ungestempelter postfrischer Briefmarken ist eine grundsätzliche Qualitätsanforderung des Briefmarkensammelns. Schon Fingerabdrücke, sie sind im Gegenlicht leicht erkennbar, machen solche Marken wertlos, weil nicht mehr verkäuflich. Beim Kauf oder Tausch sollte man darauf besonders achten.
Vorsicht! Auch eine makellose Gummierung ist noch kein Garant für Echtheit und Sammelwürdigkeit, sie könnte von Briefmarkenmanipulateuren als Ersatz für eine beschädigte Gummierung aufgebracht worden sein.
Ein Indiz dafür könnte sein, daß die Gummierung an der Trennstelle, also bis an das Ende der Zahnspitzen, hart ist. Die Zahnspitzen normal getrennter Marken sind an den Zahnspitzen ganz zart ausgefranst. Auch der Vergleich mit anderen Marken könnte Unterschiede sichtbar werden lassen. Prüfer erkennen Nachgummierungen ohne Probleme.
Völlig ohne Bedeutung, eher sogar noch mit einem negativen Touch, ist die Gummierung bei gestempelten Briefmarken. Oft liest man in Angeboten "gestempelt mit Originalgummi", was bedeutet, daß diese Abstempelungen von Sammlern veranlaßt wurden. Das ist nichts negatives, solange es nicht diese unsäglichen Ersttagssonder- oder Versandstellenstempel sind.
Da eine gestempelte Briefmarke immer eine "gebrauchte" Briefmarke ist, hat die Gummierung hier im Prinzip keine Bedeutung. Und ob mit oder ohne Gummierung, bezieht sich die Bewertung solcher Marken immer auf den gestempelten, also gebrauchten Zustand.
Es gibt jedoch offensichtlich einen Kreis von Sammlern, der sich auf solche gestempelten Marken mit Gummierung spezialisiert hat und bereit ist, dafür sogar höhere Preise zu bezahlen.
Unabhängig davon, bin ich der Meinung, daß eine gestempelte Marke ohne Gummi ist und lege solche Marken, nachdem ich sie vorher auf Papier aufgeklebt habe (sonst löst sich die Gummierung nur sehr zögerlich) immer in ein Wasserbad. Aber VORSICHT! Das sollte man bei Marken mit Prüfzeichen nicht machen, denn die lösen sich im Wasserbad in Wohlgefallen auf.