Briefmarken-Handbuch
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Lexikon

E


Erbschaft
Eine Briefmarkensammlung zu erben ist für die Erben meistens ein undankbares, selten die Unkosten deckendes Erlebnis, immer ein riesiges philatelistisches Problem für Nichtphilatelisten.
Qualitativ völlig undurchschaubare Sammlungen, die vom Erblasser unwissentlich fälschlicherweise als wertvoll bezeichnet wurden und sammlerischer Unverstand kommen hier zusammen, entwickeln sich meistens zum "Klotz am Bein".
Um sich vielleicht selbst ein erstes Bild machen zu können, sind folgende Grundregeln vielleicht hilfreich:
Sammlungen, die aus sogenannter Abonnements-Ware bestehen, hierzu zählen insbesondere postfrische Einzelmarken (einwandfreie Gummierung) ab etwa 1955, aber auch Ersttagsbriefe, Ersttagsblätter und alle sonstigen speziell für Briefmarkensammler hergestellten Produkte, die sind Massenware ohne Wert.
Ungebrauchte, also nicht postalisch verwendete Briefmarken, sind Marken mit schadhafter Gummierung. Die sind unverkäuflich und wertlos. Hierzu zählen insbesondere Briefmarken mit Falz oder Falzresten, aber auch solche mit Fingerabdrücken.
Alle Marken mit Mängeln irgendwelcher Art sind wertlos. Das sind insbesondere fehlende oder zu kurze Zähne, Einrisse, Löchern (auch kleinste) oder dünnen Stellen.
Gestempelte Briefmarken, bei denen Ort und Datum nicht erkennbar sind, sind ohne Wert und Abfall.
Die Echtheit von Briefmarken oder Stempeln, deren Katalogwert über € 20,-- oder € 25,-- liegen, die nicht von einem Verbandsprüfer geprüft sind, werden als wahrscheinlich nicht echt angesehen, haben also ebenfalls keinen Wert.
Briefmarken mit Ersttagsstempeln oder solchen der Versandstellen für Sammlermarken der Post sind ebenfalls nicht sammelwürdig, sind wertlose Massenware.
Dagegen können die folgenden Positionen Hilfe dafür sein, aus einem Konglomerat undefinierbarer Sammelmarken, sammelwürdiges, also besseres herauszusuchen.
Insbesondere vor 1955 verausgabte einwandfrei postfrische oder prüfbar (Ort und Datum lesbar) gestempelte Briefmarken können einen Wert haben, müssen es aber nicht.
Immer gesucht, somit mit höherem Wert, sind, auf einem "normalen" Postamt, voll, möglichst zentrisch und zeitgerecht gestempelte Briefmarken.
Briefmarken mit anhängendem Rand, besonders solche mit Randzudrucken, sind wertmäßig höher einzuschätzen.
Von einem Verbandsprüfer tiefstgeprüfte Briefmarken werden sehr gerne gekauft. Tiefstgeprüft bedeutet z.B., daß der Prüfstempel unten, direkt an der Zähnung ansetzt. Höhergeprüfte Marken haben Mängel!
Einwandfreie Briefe mit zwei oder mehr gleichen Briefmarken, also sogenannter Mehrfachfrankatur (MeF), können ebenfalls einen höheren Wert haben.
Geschnittene, also nicht gezähnte, u.a. altdeutsche Briefmarken müssen allseits einen Rand haben, das Markenbild darf keinesfalls angeschnitten sein.
Auktionatoren, Briefmarkenhändler oder auch versierte Sammler sehen mit einem Blick, ob eine Sammlung für sie interessante Positionen enthalten - ich habe es aber bis heute nicht erlebt, daß dies einem uninformierten, in unserem Fall Erben, auch mitgeteilt wurde. Ob wertvoll oder nicht, er wird immer hören, daß die Sammlung für ihn an sich uninteressant ist, er könnte sie z.B. insgesamt auf eine Auktion geben oder quasi selbst "billigst" weiterverkaufen. Folge: ein meist lächerliches, jedoch manchmal auch angemessenes Angebot.
Ich schätze, daß alle Sammlungen, außer qualitativ hochstehenden, zu 98 % aus nicht sammelwürdigen, massenhaften und wertlosen Briefmarken bestehen, nur noch für den Papierkorb geeignet. Das aber heißt nur, daß Sammler daraus nichts erlösen werden, der Handel findet immer wieder Dumme, die sich solchen Schrott andrehen lassen.
Die übrigbleibenden zwei Prozent beinhalten nun die auch für Sammler verkäufliche Qualität von, na ja, ein paar Euro bis zu wirklichen Kostbarkeiten. Die Chance, letztere in einer normalen Sammlung zu finden, ist allerdings etwa so groß wie die, den Jackpot beim Lotto zu knacken.
Um nicht todsicher übers Ohr gehauen zu werden, ist es empfehlenswert, sich ein wenig in die Materie hinein zu arbeiten, zumindest grob erkennen zu können, was gut, vielleicht sogar wertvoll sein könnte.
Aber Vorsicht! Wenn man sich mit Briefmarken beschäftigt, wird man leicht süchtig.