Briefmarken-Handbuch
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Lexikon

Z


Zähnung
Als die ersten Briefmarken herausgegeben wurden, mußten sie, da man eine Perforation noch nicht kannte, mit Scheren aus den Bögen herausgeschnitten werden. Eine mühsame Tätigkeit, die nur eine überschaubare Menge sammelwürdiger und eine Unmenge Schrottmarken produzierte. Sammelwürdig sind lediglich geschnittene Marken, deren Markenbild nicht angeschnitten ist - je breiter der Rand, desto positiver, desto wertvoller.
Der Handel bietet geschnittene Marken, deren Ränder ganz oder teilweise fehlen oder deren Markenbilder gar angeschnitten sind, den Sammlern täuschenderweise als "Sonderangebote", "Schnäppchen" oder zu "Sonderpreisen" an, obwohl diese Marken wertlos sind. Warum wertlos? Der Handel kauft solche Marken nicht mehr zurück!
Natürlich suchte man Ersatz für dieses zeitaufwändige manuelle Herausschneiden der Briefmarken aus Bögen.
Zwischenlösung war das Durchstechen. Hier wurde zwischen den Marken auf die verschiedenste Art das Papier durchstochen oder mit kleinen Schnitten versehen, die dann ein zwar "unsauberes" aber doch wesentlich schnelleres Abtrennen der Marken möglich machte.
Fortschrittlich und doch unbefriedigend, forschte man weiter und entdeckte bald die Perforation, die bis heute gebräuchlichen Zähnungslöcher. Marken konnten mit dieser Zähnung leicht und schnell aus Bögen herausgetrennt werden.
Die weitere Entwicklung war nun die Perfektionierung dieser Methode, die der Michel Spezial in Linien-, Kamm- oder Kastenzähnung und Schleifenperforation aufteilt.
Für die Sammler ergab sich damit als neue "Herausforderung" die Unversehrtheit der Zähnung.
Briefmarken werden nicht für Sammler gemacht, sie sind die durch ihren Erwerb bezahlte Berechtigung, Dienste der Post in Anspruch zu nehmen. Logisch, daß sie somit Massenprodukte sein müssen, die in ihrer bloßen Existenz in Bezug auf einen aktuellen Wert oder gar einer Werterwartung nicht sammelwürdig sind.
Sammelt man Briefmarken aufgrund ihres Aussehens, also, nicht abwertend, die Bildchen, muß man feststellen, daß sie, solange sie gültig sind, zum Postpreis eingekauft, zum Frankaturwert verwendet werden können. Nach Gültigkeitsende stellen sie jedoch auf Grund ihrer Massenhaftigkeit nur noch den Materialwert dar, sind also eigentlich wertlos. Anderslautende Katalogbewertungen dienen der Täuschung der Sammler und Vortäuschung eines Wertes, der sich bei einem Verkaufsversuch durch die Sammler als absurd erweist.
Um die Zähnung bezeichnen zu können, werden in der Philatelie die Zähnungslöcher einer Marke auf zwei Zentimeter gezählt. Finden sich dort beispielsweise 11 Zähnungslöcher, lautet die Bezeichnung im Michel Spezial "K11" (das Kürzel der Art der Zähnungsart wird vorangestellt: z.B. "L" für Linienzähnung, "K" für Kasten- / Kammzähnung).
Die Zähnung einer Marke ist jedoch nicht immer einheitlich, wofür die Ausgaben der Alliierten Besetzung und die Zwangzuschlagsmarken beredte Beispiele sind. Werden auf die genannten 2 Zentimeter waagerecht z.B. 11 Zähnungslöcher gezählt und senkrecht 11 1/2, dann lautet die Bezeichnung "L11:11 1/2", 11er Zähnung waagerecht, 11 1/2 er Zähnung senkrecht.
Um die Ursache für die teilweise großen Preisunterschiede der verschiedenen Zähnungsvarianten erkennen zu können, sollte jeder Sammler im Besitz eines sogenannten "Zähnungsschlüssels" sein, der im Handel für ein paar Cent zu bekommen ist. Teurere Lösungen, z.B. die über eine Computer-Software, sollte man nur dann ins Auge fassen, wenn man sich auf Sammelgebiete spezialisiert, die den häufigen Gebrauch notwendig machen. Ohnehin können Zähnungsraritäten nur durch Prüfer festgestellt und bestätigt werden.
Die Herstellung von Briefmarken richtet ihren Focus natürlich auf die Briefmarke, auf das Wertzeichen selbst. Die Ränder sind dabei "nur" der Rahmen, der Informationen wie Kontrollhinweise (Dz, FN, HAN und Bogenzähler), Schnittmarkierungen, Wertzähler und anderes transportiert, letztendlich für den Schaltermitarbeiter aber Abfall darstellt.
Daneben, oder besser gesagt darum herum, ist aber auch eine oft bei ein und derselben Ausgabe unterschiedliche Zähnung zu beobachten: Mal ist der Rand durchgezähnt, mal nicht, mal gibt es ein Zähnungsloch, mal 2, dann unterschiedlich mehr, mal fehlt ein Zähnungsloch (z.B. bei der Wohlfahrtszähnung oder einer Teilauflage der Frauen), dann wieder ziert ein Zähnungsloch vom nächsten Bogen den Rand, mal ist ein Zahn breit, mal ist er spitz und dann wieder läuft, weil die Maschine diesen spitzen oder breiten Ausgleichszahn zu spät gesetzt hat, die Zähnung ins Markenbild. All das ist mehr als sammelwürdig, entzieht einer Marke den Makel der Massenhaftigkeit.
Eindeutiger Anspruch also, gleichgültig, wie die Marken getrennt wurden: Absolut einwandfreie Markenränder - auch bei EZM aus Rollen .
Lediglich bei Streifen von Rollenmarken, z.B. also 3er-, 6er- und 11er-Streifen, auch als Rollenfänge und -enden, die in durchgehend einwandfreier Zähnung kaum zu finden wären, wird auch die ansonsten beanstandenswerte Qualität als sammelwürdig akzeptiert.