Briefmarken-Handbuch
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Lexikon

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Prüfer
Bei allem, was gesammelt wird, sind Betrüger nicht fern, dies insbesondere bei Sammlerbriefmarken: es wird gefälscht, repariert, verändert und nach oder falsch gestempelt, was das Zeug hält. Für derartiges wird, unter den Augen aller Beteiligten, sogar in der Fachpresse des Handels geworben. Die Briefmarkenlobby teilt beiläufig in einem sogenannten Sammler-ABC mit, daß so "geschönte" Marken an sich als solche gekennzeichnet werden sollten und meint schulterzuckend, daß das aber wohl nicht getan würde. Dann ist ja gut - ist ja nur zum Schaden der Sammler.
Die Methoden der Fälscher werden immer weiter verfeinert, so daß Sammler die Manipulationen oft gar nicht mehr erkennen. Es wäre interessant zu wissen, wie viel Prozent gesammelter Briefmarken heute manipuliert sind, glaube aber, das die Zahl erschreckend wäre.
Die einzige Möglichkeit, sich davor zu schützen, ist eine Prüfung durch entsprechende Prüfer. Sie prüfen, kennzeichnen oder attestieren gegen eine Gebühr Briefmarken als ECHT, GEFÄLSCHT, STEMPEL FALSCH oder teilen mit, daß sie "nicht prüfbar" sind oder auch z.B. nachgezähnt.
Es gibt für die verschiedenen Sammelgebiete unterschiedliche Verbandsprüfer. So sind z.B. die Herren H.D. Schlegel oder A. Schlegel für Bund und Berlin (aber auch noch für weitere Spezialgebiete) oder Heinz-Jörg Schönherr für die DDR zuständig. Der nachfolgende Link führt zu einer Zusammenstellung aller Prüfer des BPP auf deren Internetseite:
http://bpp.de/de/prueferliste//#!&view=list
Ein Prüfstempel bestätigt die Echtheit der Marke und eines eventuellen Aufdrucks, außerdem die des Stempels, wobei dessen Qualität für die Prüfung unerheblich ist.
An der Position des Prüfstempels läßt sich weiterhin die physische Qualität des Prüfobjekts ablesen, also, ob irgendwelche Mängel am Papier oder an der Zähnung (kurze oder fehlende Zähne) festzustellen waren. Bei "bestgeprüften" Objekten setzt dieser Stempel direkt an der Zähnung an. Je weiter der Prüfstempel sich vom Rand entfernt, desto "gröber" sind die Fehler. An dieser Stelle muß wieder einmal festgestellt werden, daß "höhergeprüfte" Marken nicht sammelwürdig sind. Warum? Weil sie an Händler oder Auktionatoren nicht mehr verkäuflich sind.
Innerhalb des nachfolgenden Links zur Prüfordnung auf der Seite der BPP werden unter vielem anderen grundsätzliche Positionen der Prüfzeichen bei unterschiedlichen Objekten (postfrisch, gestempelt, mit Aufdruck, gezähnt, durchstochen oder geschnitten) beschrieben, aber auch die unterschiedlichen qualitativen Positionen.
http://bpp.de/de/bpp-pruefordnung//
Unter dem nächsten Link sind die Prüfgebühren und vieles mehr nachzulesen.
Und als letzter, wieder zur Seite des BPP, ein Link zu einer Sammlung von Begriffen, die im Zusammenhang mit der Prüfung von Briefmarken stehen:
http://bpp.de/de/begriffe//
Unabhängig davon, daß man höher- oder hochwertige Briefmarken nicht ungeprüft kaufen sollte bzw. solche ungeprüft nicht zu realistischen Preisen verkaufen kann, finden immer wieder Diskussionen darüber statt, ob ein Befund, ein Attest oder aber das Prüfzeichen die richtige Lösung ist.
Ursache dabei ist das mit dokumentenechter Farbe auf die Rückseite einer Marke aufgebrachte Prüfzeichen, das bei einem Befund oder Attest wegfällt.
Briefmarkensammeln ist ein Hobby, daß von Jugendlichen ebenso betrieben wird wie von der "silbergrauen" Generation, von Frauen wie Männern, von Mitgliedern aller sozialen Schichten. Und entsprechend unterschiedlich ist natürlich das Sammel- wie auch das Kaufverhalten.
Briefmarkensammeln ist also nicht das Hobby einer privilegierten Schicht, sondern Massenbewegung (wäre zumindest wünschenswert). Während sich die finanzielle Oberschicht der Sammler locker einen einheitlich zentrisch "Berlin-Charlottenburg" gestempelten Satz MiNr. 1 - 20 (schwarzer Aufdruck) mit Attest Schlegel ersteigert, bekommt der junge Sammler lediglich glänzende Augen beim Gedanken daran und Otto-Normalsammler kauft oder tauscht sich diesen Satz in vielen, vielen Jahren in Einzelwerten mühsam zusammen. Mal abgesehen davon, daß ein zentrisch von verschiedenen (hier) Berliner Postämtern gestempelter Satz sammlerisch weit wertvoller ist, wie bitte soll der ungeprüft zusammengetragen und dann seine Echtheit komplett attestiert werden? Soll man zwischendurch Marken mit einem Katalogwert von € 1,50 (bei den Aufdruckmarken Berlins entfällt die € 25,-- - Grenze) per Attest prüfen lassen, oder immer mal wieder drei oder vier Werte? Oder soll man einfach das Risiko eingehen, immer wieder Fälschungen (als Kolateralschaden?) zu kaufen. Und wie soll man dann erreichen, daß der Prüfer nur dann prüft, wenn alle Marken echt und fehlerlos sind?
Es kann sein, daß irgendwann einmal die wenigen ungeprüft übriggebliebenen und auch noch echt und einwandfreien Marken eine höhere Bewertung erfahren, aber die ganze Diskussion relativiert sich doch, wenn sich die Briefmarkensammler vom Schrott abwenden und sich auf sammelwürdiges, auf Q1, also auf beste Qualität konzentrieren. Die ist einfach nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Würden alle Berlinsammler nur sammelwürdiges, also prüfbares sammeln, wäre der Markt leergeräumt - und dabei ist noch kein Gedanke an zentrische Stempel verschwendet worden.
Wenn heute also Marken mit Prüfattesten oder Befunden höher honoriert werden als solche mit Prüfzeichen, dann auch dadurch, daß einmal die Prüfgebühren höher ausfallen und auch durch ein höheres Risiko (mit garantierten Ausfällen) beim langfristigen "Zusammentragen" von später mit dem Ziel mit Befunden und Attesten zu prüfenden "Preziosen".
Die einzige ziemlich sichere Möglichkeit zu verhindern, daß man betrogen wird, ist also eine solche Prüfung, die ab einem Katalogwert von € 25,-- durchgeführt wird. Man sollte also entweder nur geprüfte Marken oder unter dem sogenannten "Prüfungsvorbehalt" kaufen (bitte darauf achten, daß genügend Zeit für Prüfung bleibt, die kann auch mal mehr als ein halbes Jahr dauern), bei dem der Verkäufer die Marke zurück nimmt, wenn sie als "FALSCH" oder manipuliert erkannt wird.
Doch Vorsicht! Im Verkauf wird der Begriff "tiefstgeprüft" locker gesehen, darunter wird oft einfach jede Prüfstempelposition, die sich in der unteren Hälfte der Rückseite einer Marke befindet, eingeordnet. Das sind falsche, täuschende und betrügerische Beschreibungen. Marken mit höhergestellten Prüfzeichen haben Fehler, sind nicht sammelwürdig und wertlos. Es ist also anzuraten, nie zu kaufen, bevor man sich nicht vom tiefstmöglichen Sitz des Prüfzeichens vergewissert hat.